Der Biergarten „Auf Bötzow“ an der Prenzlauer Allee; das Dorf Bötzow bei Oranienburg; die Bötzowstraße, das Bötzowviertel zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain – wer und was steckt hinter dem Namen Bötzow?
Die Urväter der Familie stammen aus dem Berliner Raum. Generationen der Bötzows gelang es, Grundbesitz zu erwerben und diesen ständig zu erweitern.
In alten Berliner Urkunden wird ein Nicolaus von Bötzow schon um 1284 genannt, der Ratsmann und Bürgermeister war. Ein Martin Bötzow war am Hof von Kurfürst Joachim II. zuständig für das höfische Tafelsilber und erhielt als Dank im Jahr 1556 das Haus in der Klosterstraße 88 geschenkt. Seit dem 16. Jahrhundert ist der Name Bötzow in den Kirchenbüchern der Marienkirche verzeichnet.
Der Urgroßvater des späteren Brauereibesitzers Julius Bötzow übernahm 1718 als 32jähriger Ländereien des Dorotheenhospitals in Erbpacht. Dazu gehörten auch Weinbergsstücke. Der Großvater von Julius kaufte während des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1760 noch viel Land in der nördlichen Feldmark dazu, wozu ebenfalls mit Weinstöcken bepflanzte Flächen gehörten. Dieser hatte die Tochter des letzten Mühlenmeisters vom Mühlenberg an der Prenzlauer Allee geheiratet, womit auch dieses Gelände in den Familienbesitz kam. Auch auf dem Mühlenberg wuchs in Vorzeiten Wein.

Postkarte; Sammlung W. Krause
Die gesamte Fläche von der Grenzstraße am Humboldthain bis hin zur Frankfurter Allee war Anfang des 19. Jahrhunderts Bötzow-Land mit Häusern, Höfen, Gärten, Scheunen und Stallungen.
Mitte des Jahrhunderts besaß die Familie schon zwei Weißbierbrauereien und eine Brennerei in Berlins Mitte.
In alten Dokumenten wird die Familie im Jahr 1856 als Branntweinhersteller geführt.
Das Destillieren von Wein, heißt, die Herstellung von „Brannt“, begann in Berlin um 1351 und war zunächst ein Privileg des aus Nürnberg stammenden Arztes und Arzneikundigen Hieronymus Burkhard. Er hatte das Rezept aus Italien mitgebracht. Das Destillat galt als Medizin, über die er in seiner Apotheke in der Spandauer Straße wachte. Als zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Pest in Europa herrschte und ganze Regionen entvölkerte, galt der Branntwein als das wirksamste Vorbeugungs- und Heilmittel. Die Hofapotheker machten gute Geschäfte. Meister Burkhard hatte sich mit seinem „aqua vitae“ einen besonderen Ruhm erworben.
Etwa 250 Jahre lang ließ sich das Apothekenprivileg aufrecht erhalten.
Um 1560 kamen flämische Einwanderer in die Stadt. Die Destillateure unter ihnen verstanden sich darauf, aus Korn Branntwein zu produzieren. Hugenottische Bürger, die nach dem Edikt von Potsdam von 1685 in Berlin angesiedelt wurden, brachten ihre eigenen Rezepturen mit. Sie destillierten ihren Brannt aus Märkischen Weinen und veredelten den Geschmack mit speziellen Würzungen und Aromen. In den Apotheken spezialisierte man sich darauf, mit Kräutern und Essenzen vor allem Bitterliköre herzustellen und ihre medizinische Wirkung zu vermarkten.
Im Berliner Grauen Kloster, wo ab 1572 Alchimist Leonhard Thurneysser aus Basel eine Kräuterdestillation und Branntweinbrennerei betrieb, wurde das „Goldwasser“ erfunden, ein mit feinstem Blattgold versetzter Likör. Ab Ende des 16. Jahrhunderts, als dem Branntwein-Brennen kaum noch Schranken auferlegt waren, wurde die Branntweinsteuer, der sogenannte Blasenzins, eingeführt. Die Steuer sollte das Säcklein von Kurfürst Johann Georg füllen, dem sein Vater reichlich Schulden hinterlassen hatte.
Die Bötzows haben seit ihren ersten Brauereien 1843 und 1835 in der Linien- und Alten Schönhauser Straße eine Entwicklung genommen, die ihnen 1886 den Titel „Hof-Lieferant seiner Majestät des Königs“ einbrachte. Dahinter standen Julius Bötzow, der sich von jung an dem Bier verschrieben hatte, und sein Onkel Franz, der ihm das notwendige Kapital zur Verfügung stellte, um das Brauereigelände auf dem ehemaligen Mühlenberg auf- und auszubauen. Dem Bayerischen Bier konnte der Rang abgelaufen werden. Der Zweite Weltkrieg brachte das Aus, die Brauerei wurde konfisziert. Nach 1990 gab es viele Interessenten an dem Gelände über der Stadt. Schließlich entschied das Gebot, viele Millionen Euro investieren zu wollen, für Prof. Näder mit seiner weltweit bekannten Fabrikation für orthopädische Hilfsmittel.
Seit dem Jahr 2025 kann man am historischen Ort „Auf Bötzow“ wieder Bier trinken.




