Ein Eldorado inmitten der Millionenstadt Berlin, vom Alexanderplatz mit der Straßenbahn in weniger als 20 Minuten zu erreichen! In allen Jahreszeiten erlebt man auf diesem 37,5 ha großen Parkgelände Natur pur. Einmalig sind das Gemisch aus alten und jungen Bäumen, die Gestaltungsvielfalt der Anpflanzungen, die Kunstwerke, Denkmale, Teiche, die Brunnenanlagen sowie die spektakulären Bunkerreste auf dem Gipfel des Hains. Die Vogelwelt ist bunt, Eichhörnchen und andere Großstadtvierbeiner sind hier zu Hause. Informationstafeln an den Wegrändern geben über all dies Auskunft. Zudem gelangt man über einen Link: 

Zu einem Audiospaziergang
Berlin, Ansicht von Nordosten von den Weinbergen aus gesehen mit folgenden markanten Kirchtürmen (von links nach rechts): St. Nikolai, St. Petri, St. Marien und der Kirche des Heilig-Geist-Hospitals, aus dem Reisealbum des Pfalzgrafen Ottheinrich, 1537. Universitätsbibliothek Würzburg

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts lagen die Hügel des heutigen Friedrichhains j.w.d., „janz weit draußen“, wie der Berliner sagt. Der Pfalzgraf Ottheinrich aus Neuburg ließ seinen Anblick vom heutigen Friedrichshain aus in einer Zeichnung festhalten: „Wein soweit das Auge reicht.“ Diese Darstellung der Berliner Skyline gehört zu den ältesten Ansichten der Stadt.

Erst 1829 wurde das Gelände zwischen der Stralauer Vorstadt und der Königsstadt der Stadt Berlin zugeordnet.

Über Jahrhunderte wuchs hier Wein vor den Stadttoren im Osten. Der sandige Boden des Geschiebes aus der Eiszeit, der auf der Barnimhochkante liegen blieb, war ideal für den Rebenwuchs.

Das Jahr 1740 war ein Katastrophenjahr für den märkischen Weinbau. Strenge Fröste vernichteten fast alle Reben. Die Anbauflächen wurden veräußert und bekamen andere Bestimmungen. Die Stadt Berlin wuchs, Handwerk und Industrie entwickelten sich.

Der in Schlossnähe, Ausgang des 17. Jahrhunderts, angelegte Berliner Tiergarten war längst zum Erholungs- und Ausflugsort der Stadtbewohner geworden, der Bier- und Weinausschank florierte. Ähnliches sollte für die Bewohner des Berliner Ostens entstehen.

Um 1840 beschloss die Berliner Stadtverordnetenversammlung das 100jährige Jubiläum der Thronbesteigung von Friedrich II. mit einer Parkanlage zu würdigen. Damit tauchte erstmalig der Name „Friedrichshain“ auf. Das erste Denkmal im Hain war dann auch die Büste des Königs, die aus Bürgergeldern gestiftet wurde.

Für die Parkgestaltung gab es ein Novum: Eine Ausschreibung, gewonnen von Gustav Meyer, einem Schüler des legendären Berliner Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné. Der Abkauf der Weinberge für die Parkanlage hatte sich sechs Jahre lang hingezogen. Die Arbeiten wurden von 1846 bis 1848 von Arbeitslosen ausgeführt.

Schmuckstück des Parks ist und bleibt der Märchenbrunnen. Architekt und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann lieferte den Entwurf dafür. Gemeinsam mit Ignatius Taschner, Josef Rauch und Georg Wrba schuf er eine einmalige Brunnenanlage im Stil des Neobarock, die am 15. Juni 1913 eröffnet werden konnte.

Ansichtskarte von 1907. Sammlung W. Krause

Am Kreuzungspunkt der Straße Am Friedrichshain und der Friedensstraße geht man durch ein schmiedeeisernes Tor über breite Stufen auf das Wasserbecken zu.

Die leichte Schräge deutet darauf hin, dass es hier einst auf einen Weinberg ging.

Das Brunnenbecken ist in vier Kaskaden angelegt. Darin steigen Fontänen und Wasserspiele auf. An den Rändern stehen wasserspeiende Frösche und Figuren der bekanntesten deutschen Märchen.

Früchtekorb mit Weintrauben von Ignatius Taschner am Märchenbrunnen. Foto: © W. Krause
Brunnenfigur von Georg Wrba im hinteren Bereich des Märchenbrunnens. Foto: © W. Krause

Jede Figur ist liebevoll gestaltet und mit dem Tier zu sehen, das aus den Märchen bekannt ist. Hier und da ist auch Weinlaub oder ein Korb mit Weintrauben zu entdecken. Es ist zu vermuten, dass die Bildhauer damit an die Weinbaugeschichte des Ortes erinnern wollten. Dieses steinerne Märchenbuch mit seiner Brunnenanlage umsäumen Buchenhecken und halbkreisförmig angelegte Arkaden an seinem Ausgang in den Park. Scharen von Kindern planschen im Sommer nicht nur im Wasser herum sondern streicheln auch gern ihre Lieblingsfigur.

1,2 Millionen Reichsmark soll das Gesamtwerk gekostet haben. Inspirieren ließ sich Ludwig Hoffman dafür während seiner Studienreisen 1907 und 1908 nach Italien. Vorbilder fand er dort vor allem in frühbarocken Gärten, in denen bestimmt auch Wein wuchs.