
Foto: A. Schwarz. Sammlung W. Krause
Wir sind in Berlin-Mitte, in der Rosenthaler Vorstadt. Der Volkspark am Weinbergsweg, in den 1950er Jahren durch den Gartenarchitekten Kruse angelegt, ist an schönen Sommertagen ein viel besuchter Ort. Seine verkehrsgünstige Lage im Straßenkarree der Veteranen- und Brunnenstraße, dem Weinbergsweg und der Fehrbelliner Straße lädt geradezu ein, dort Mußestunden zu verbringen.
Das alles hier war einmal der Wollank´sche Weinberg. An seiner Geschichte lässt sich Berliner Geschichte rund um den Weinbau festmachen, dazu Geschichten von Ackerbürgerfamilien, die durch Heirat, Erbschaften und viel Streit um Grund und Boden zu Wohlstand gekommen waren.
Ende des 16. Jahrhunderts erwarb eine Familie Hübner das Gelände und legte den Weinberg an.
Stadtkämmerer Lindholz, zuständig für das Berliner Finanzwesen, war 1604 Besitzer des Areals. Von dessen Enkeln erwarb es Anfang der 1620er Jahre ein Peter Engel. Noch lange nach ihm soll der Berg der „Englische“ genannt worden sein. Das Bankhaus, an dem Engel beteiligt war, ging bankrott, er selbst starb an der Pest. Ein Vetter, Cousin des berühmten brandenburgischen Generalfeldmarschalls Otto Christoph von Sparr, siegte im Erbstreit um den Weinberg und brachte ihn 1648 in seinen Besitz, dessen Taxwert sich auf 1.000 Taler belief. Nach dem Tod des Vetters war nunmehr der Generalfeldmarschall selbst für drei Jahre Eigentümer. Die Stadt hatte ihn aufgrund seiner Verdienste von allen Verbindlichkeiten befreit, die durch den Cousin verursacht worden waren.

Weinpflanzen an der Mauer der Gaststätte im Park am Weinbergsweg. Foto: © W. Krause
Das Grabmal des Otto Christoph von Sparr wurde in der Marienkirche aufgestellt und gehört heute zum wertvollsten Interieur des Gotteshauses.
Für die nächsten zwanzig Jahre besaß ein Freiherr von Blumenthal den Weinberg. Ihn hatte der Erwerb 1.500 Taler gekostet. Das waren die Weinstöcke, das gesamte Zubehör, um Wein zu produzieren, dazu das Wohnhaus und weitere Ländereien außerhalb.
In diesen zwanzig Jahren, in der Regierungszeit des Großen Kurfürsten, hat sich Berlin zur Residenz entwickelt. Im Todesjahr des Herrschers, 1688, ließ von Blumenthal auf seinem Weinberg einen Aussichtsturm errichten, der noch seinem Nachfolger, dem Geheimen Konstitutionalrat Heinrich von Portz viel Ehre einbrachte.

Blick vom Wollank´schen Weinberg auf Berlin

Der letzte Besitzer des Weinbergs. Sammlung W. Krause
Nach 1740, unter Friedrich II., genannt der Große, gedieh Berlin zur Königsstadt. Große Baumeister wie Andreas Schlüter oder Karl Friedrich Schinkel haben sie mitgestaltet.
Ein Feuerwerker, ein Herr Weik, kaufte 1750 etwa 60 Morgen des Weinberges, die Meierei und eine Maulbeerplantage mit 1.300 Maulbeerbäumen des späteren Wollank’schen Besitzes.

Postkarte 1914. Sammlung W. Krause
Seidenhändler Gottlieb Friedrich Wollank, ausgestattet mit dem Geld seiner Frau, erwarb 1801 das gesamte Anwesen für 16.000 Taler. Seine Frau stammte aus der Kellermeister-/Weinhändler- Dynastie von Mitscher und Caspari, die in Berlin zu großem Wohlstand gekommen war.
Von Hause aus war Wollank Seidenhändler und Seidenfabrikant. Gegen die Auflage, die Maulbeerplantage auf seinem Besitz weiterzuführen, wehrte er sich gerichtlich erfolgreich. Auch der Weinbau war nur bedingt seine Sache. Die letzten dort erzeugten Flaschen seines Weines sollen einen Taler gekostet haben. Wollank ließ vor allem Obstbäume setzen und Gemüsebeete anlegen.

Die Wollank´sche Villa. Postkarte. Sammlung W. Krause

Das National Theater, das spätere Walhalla-Theater. Postkarte. Sammlung Hauptmann, Hotel Kastanienhof

Carows Lachbühne. Postkarte. Sammlung Hauptmann, Hotel Kastanienhof
Der Weinberg war zu dieser Zeit ein beliebter Ausflugs- und Vergnügungsort. Seine Kinder errichteten auf dem Hügel eine Villa im Stil der Neorenaissance. Der dazu gehörige Garten war ab 1936 öffentlich. 1870 wurde am Weinbergsweg das erste National-Theater gebaut. An der Ecke Weinbergsweg und Fehrbelliner Straße entstand in gleichen Jahr ein jüdisches Waisenhaus.
Neben dem Walhalla-Theater mit Carows Lachbühne in seinem Theatertunnel etablierte sich das spätere Ufa-Theater. Keines der Gebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges verschont. Die Wollankstraße in Alt-Pankow belegt, dass Gottlieb Friedrich Wollank auch Ländereien weit im Norden der Stadt besaß.

