Um die Barnim-Hangkante auszumachen, stellt man sich am besten an die Ecke Prenzlauer Allee/Torstraße und schaut, wie die Straßenbahn M2 bergab oder bergauf fährt. Auch der Blick auf die Lokalität „Auf Bötzow“ verrät den Hang und seine ehemalige Kante. An dieser blieb das eiszeitliche Geschiebe aus dem Norden vor jahrtausenden Jahren liegen und bildete bis hin zum Oderbruch den Barnim. Die Ablagerungen des Inlandeises auf der westlichen Seite des Urstromtals der Spree formten den Teltow. Beide Höhenrücken sind ein Gemisch aus Sand, Kies und Ton. Für den Weinbau genau das Richtige. Bis zum Kälteeinbruch Mitte des 18. Jahrhunderts, der „kleinen Eiszeit“, herrschte in unserer Region eine Warmzeit. Sie begünstigte ebenfalls, dass die eigentlich aus dem Süden stammenden Rebstöcke hier gediehen. Im 14. Jahrhundert gab es die größte Ausdehnung des Weinbaus in Deutschland.

Die Arbeit in den Weingärten war schwer. Kurfürst Joachim Friedrich hatte sie in seiner Weinmeisterordnung von 1604 geregelt. Darin war nach den Regeln des christlichen Fest- und Feiertagskalenders beschrieben, was zu beachten und wann zu bearbeiten ist, um im Herbst einen guten Weinertrag zu sichern. Natürlich musste das Wetter mitspielen: „Oktobersonne kocht den Wein und füllt auch große Körbe ein“ lautet eine „Wein-Jahr-Weisheit“.
Damals soll der Alltag der Weinbauern in den Sommermonaten bereits um zwei Uhr morgens begonnen haben. Selbst Säuglinge wurden dorthin mitgenommen, wenngleich eine erste Weinmeister-Ordnung aussagte, dass „keine Weibspersonen“ im Weinberg arbeiten sollten, da sie das nicht gut machen.

Im Februar: Rebschnitt der Reben im Weingarten. Foto: © W. Krause
Die Arbeit in einem Weinberg oder Weingarten beginnt auch heute bereits im Februar bei Wind und Wetter mit dem Beschneiden der Rebstöcke. Ebenso muss das Misten, das Düngen, das Einschlagen neuer Stäbe, an denen sich die Pflanze festhalten kann, wie ihr Anbinden getan werden. Und, was jeder Wein- und Kleingärtner weiß: „… so bald allein Wetter dazu ist/sollen unsere Weinmeister die erste Hackung thun“ und damit die „Winterfeuchte mitnehmen“. Bis zum Ende April, bis zu Walpurgis, sollte alles Unkraut beseitigt sein und weiterhin darauf zu achten: „dass kein Mensch noch Viehe/oder Thier hinein komme/und Schaden darinne thue…“.
„Das Weinjahr“ – Darstellungen aus der Quelle: „Buch der Landwirtschaft“, 1507
Die seit altersher geltende Weisheit, Rebstöcke gen Süden und nicht an der Nordseite eines Hanges zu setzen, rettete diese allerdings um 1740 nicht.
Seit 1700 zeichnet die Wetterstation Berlin-Dahlem Temperaturen in Berlin und Umgebung auf. Im Jahr 1740 soll es Spitzenwerte von bis zu minus 40 Grad in Berlin gegeben haben. Nicht nur Weinstöcke erfroren. Unter den damaligen Bedingungen natürlich auch viele Menschen und Tiere.
Das Können der Winzer, die Bodenbeschaffenheit und das Klima entscheiden über die Qualität des Weines.
Der von Mönchen um 1600 angebaute Wein soll nach vielen Sonnenstunden der Qualität des Rheinweines gleich gewesen sein. Dem Großen Kurfürsten war sogar empfohlen worden, märkische Weine wegen ihres milden Geschmacks nach England zu exportieren.
Doch Geschmäcker sind verschieden! Es gab Zeitzeugen genug, die den Spruch kannten: „Märkische Weinerträge gehen durch die Kehle wie eine Säge.“ Friedrich Engels behauptete sogar, nach märkischem Weingenuss vier Wochen lang einen wunden Hals gehabt zu haben, so als hätte er Essig getrunken.
Die Einschätzung der Qualität einheimischer Weine gipfelte bei Adolf Glaßbrenner, Volksschriftsteller des 19. Jahrhunderts, darin, dass er eine Sorte „Kriminalwein“ nannte. Nach dessen Genuss gestehen die Insassen eines Gefängnisses am nächsten Tag alle ihre Verbrechen.








