Am 30. Mai 2025 berichtete die Berliner Zeitung über die vor 200 Jahren gegründete Museumsinsel. Startobjekt war das vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. geförderte Alte Museum. Vor dessen Freitreppe liegt der Lustgarten.
Tausende Touristen genießen täglich den Anblick der Fontäne in seiner Mitte, seitwärts den von 1894 bis 1905 gebauten Dom und die große Granitschale vor dem Museumsaufgang. Sie steht dort seit 1834. Spree und Kupfergraben, früher der Cöllnische Stadtgraben, umfließen das Areal.

Blick auf den Lustgarten vom Humboldt-Forum aus. Foto: © W. Krause
Die Geschichte des Lustgartens gehört zur Schlossgeschichte. Kurfürst Friedrich II., genannt „Eisenzahn“ oder „der Eiserne“, zog 1451 in seine neue Residenz. 1573 ist Hofgärtner Desiderius Corbianus berufen worden, einen Garten etwa zwischen dem Schloss und dem heutigen Alten Museum anzulegen. Das Gelände war feucht und bot gute Voraussetzungen, etwas anzupflanzen. Angelegt wurde ein Küchengarten, es gab ein sogenanntes Lusthaus, und der Hof konnte dort feiern. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 ist in der damals noch unbefestigten Stadt viel zerstört worden. 1645 gab der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm die Anweisung, den Garten wieder herzustellen. Neben Schlossbaumeister Johann Gregor Memhardt wurde auch der aus einer Gärtnerfamilie stammende Michael Hanff damit beauftragt. In Königsberg, dem Fluchtort des Herrschers, hatte dieser bereits einen Lustgarten angelegt. Auf dem ältesten Berlin-Plan, dem Memhardt-Plan von 1652, ist zwischen dem Schloss und dem Zeughaus eine dreigeteilte Anlage mit einem Arboretum, Skulpturen, Laubengängen, einem Lusthaus, Wasserspielen und wieder einem Küchengarten auszumachen. Hier wuchsen die ersten aus Holland eingeführten Kartoffeln.

Der Große Kurfürst (1620–1688). Jürgen von Rönne: Zeichnung von 1887 nach einer Büste. Sammlung W. Krause
Tomaten galten noch als Zierpflanzen. Bereits 1657 hatte der Große Kurfürst den Sohn einer Beamtenfamilie aus Frankfurt an der Oder, Johann Sigismund Elsholtz, zu seinem Leibmedicus ernannt. Elsholtz blieb es bis zu seinem Tod 1688 und war zudem Gartendirektor. Geboren 1623, galt er von jung an als sehr begabt. Er studierte in Holland, Frankreich und Italien Medizin, was damals das Studium der Botanik einschloss. Mit seiner Beschreibung des Lustgartens am Berliner Schloss von 1657 und seiner 1663 verfassten Bestandsaufnahme der „Flora der Mark“ hatte er sich dem Kurfürsten aufs Beste empfohlen. Die dritte Auflage seines Gartenfachbuches „Vom Garten-Baw: oder Unterricht von der Gärtnerey auf das Klima der Chur-Mark … gerichtet“, widmete er 1664 seinem Mäzen. Er schätzte den Großen Kurfürsten und seine aus Holland stammende Frau. Dieses Gartenbau-Buch könnte heute noch gelten. Es gibt kaum eine Verrichtung im Garten, die nicht aufgezeigt ist, einschließlich der Arbeiten im Weinanbau. Als das „gemeinste Getränk“ wird das aus „Gersten- und Weißen“, das Bier, genannt. Elßholtz dankt aber ausdrücklich dem „Allmächtigen Gott“, dass in den Märkischen Ländern Weinbau möglich ist. Er beschreibt die Anlage eines Weingartens bis dahin, dass die Waldnähe Vögel aus den Bäumen locken und den Trauben Schäden zufügen könnten.

Elsholtz, J. S.: „Vom Garten-Bau“. Innentitel. Original 1684. Sammlung W. Krause

Elsholtz, J. S.: „Vom Garten-Bau“. Frontispiz. Original 1684. Sammlung W. Krause

Bacchus-Figur im Berliner Lustgarten im Jahr 1657. Aus: Elsholtz, J. S. „Hortus Berolinensis“. Faksimile. Verlag für Geisteswissenschaften. Weimar 2010
Aus den „zwo Hauptfarben: Weiß und Roht“ der von ihm aufgeführten „Gattungen der Weine/und Weinreben“ erfreuen wir uns heute noch u.a. am Elbling, Schönedel, Muscateller oder Riesling; bei den roten Weinen den Roten Muscateller oder Blauen Fränkischen. Elsholtz nennt auch „sonderbare Weinreben“ wie u.a. den „Petersilien-Wein“ wegen seiner Blattform, „Weintrauben ohne Körner“ oder einen „Tinten-Wein“.
Einige solcher Raritäten pflanzte man in Lustgärten probeweise an. In dem Kapitel dazu gibt es den Hinweis, dass sie „neben fleißiger Aufsicht den Sommer über/auch gegen den Winter“ zu schützen seien.
Um 1688 wurde das Gartengelände am Schlossplatz durch den Bau von Befestigungsanlagen verkleinert. Ausweichobjekt war ein Garten in Schöneberg, in dem zuvor Hopfen wuchs. Elsholtz soll an den Umsetzungen kostbarer Pflanzen dorthin mitgewirkt haben.
Johann Sigismund Elsholtz wie sein Förderer, der Große Kurfürst, verstarben 1688.

