Ist man heutzutage unterwegs und sucht ein Restaurant oder Hotel, wird das Handy befragt. Weltweit findet man so, was man sucht. Wie war das vor dreihundert Jahren auf der Reise nach Berlin? Die 1237 gegründete ehemalige Doppelstadt Berlin-Cölln lag innerhalb ihrer Mauern. Wer hinein wollte, zu Fuß oder auf einem Fuhrwerk jeglicher Art, hatte an den Toren nicht nur sich selbst auszuweisen, sondern auch sein Gepäck gründlichst untersuchen zu lassen.
Berlin-Plan: Gasthaus Königstraße Nr. 64. mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Sammlung W. Krause
Im Dezember 1810 begleitete König Friedrich Wilhelm III. den Leichnam seiner jung verstorbenen Königin Luise nach Berlin zurück. Fortan hieß die Straße nach Bernau Königstraße. Bereits 1775 soll es an der Königstraße ein Wirtshaus „Goldene Traube“ unter dem Wirt August Cassan gegeben haben. Ob das „Gasthaus zur Weintraube“, ausgewiesen in einem Stadtplan von 1843, die Nachfolgeeinrichtung war, ist nicht bekannt. Jedoch bezeugen die Namen beider Restaurationen nicht nur, dass hier Wein nicht nur ausgeschenkt, aber auch angebaut wurde. Die Königstraße am Rand der Barnim-Hangkante begrenzte die früheren Weinbauflächen.

Historischer Weinkeller von Lutter & Wegner. Postkarte um 1900. Sammlung W. Krause

Postkarte um 1900. Sammlung W. Krause
Das ehemalige „Gasthaus zur Weintraube“ hat ungefähr an der Otto-Braun-Straße, Ecke Mollstraße gestanden.
Im 18. Jahrhundert konnte man seine Herberge u.a. in Adresskalendern finden, die vom königlichen Hof herausgegeben wurden. Mehr noch: in einer Ausgabe von 1704, finden sich sogar die Anschriften der „Visitatoren und Wein-Visirer“, die für die Reinheit des Getränkes zuständig waren. In einem Dokument von 1775, das auch die „Goldene Traube“ nennt, sind die Wirtshäuser in Berlin und Cölln ähnlich der heutigen Kategorisierung nach Klassen von eins bis drei eingeteilt. Der gehobenere Standard war die Klasse eins. Für die „Goldene Traube“ und alle anderen galt, dass „das Polizeidirektorium“ 1775 die Preise festgesetzt hat, wonach sie sich „in Bezahlung der Logis“ und der „Speisung aufs genaueste richten müssen“. Der Preis für die Heizung einer Stube lag in allen drei Klassen täglich bei 6 Groschen, der für eine „Quartbouteille“, dem Viertel einer Weinflasche mit 0,75 Liter, zwischen 14 und 10 Groschen für französische Weine. Für den Rheinwein hatte man ab einem Taler zu zahlen. Das war teuer. Mitte des 18. Jahrhunderts musste eine Familie mit etwa 400 Talern jährlich auskommen. „Jedoch behält der Passagier die Freiheit, die Weine sich selbst außerhalb des Gasthofes holen zu lassen“, heißt es in der „Taxe für die Wirtshäuser in den Residenzstädten“.

Hermann Kramer
E.T.A. Hoffmann und Ludwig Devrient bei Lutter & Wegner, 1843, Öl auf Lwd.; 36,5 x 28,0cm , Inv.Nr.: VII 59/887 x, Sammlung Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Christel Lehmann, Berlin

Zeitungsanzeige zu den Weinstuben von Lutter&Wegner, Sammlung. W. Krause
Seit 1811 gab es das Weinhaus „Lutter & Wegner“ in Berlins Mitte am Gendarmenmarkt. Hier verkehrte, wer in Berlin Rang und Namen hatte. Dabei waren Adalbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine, Carl Maria von Weber, Richard Wagner und viele andere Berühmtheiten dieser Zeit. Auch Fürst Bismarck war hier zu Gast.
„Haus Huth“, heute wieder am Potsdamer Platz zu finden, war ebenfalls eine erste Adresse. Fast in Vergessenheit geraten ist der im Jahr 1912 entstandene „Kaiser-Keller“ an der Friedrichstraße 176-179. Dieser soll das größte Weinrestaurant der Welt gewesen sein. Der Weinkeller wird „ständig auf 400.000 Flaschen Bestand erhalten“, heißt es in einer Weinkarte von 1904. Diese zeigt nicht nur die Geschichte des Hauses auf. Die Abbildungen belegen die künstlerisch bis ins Detail gestalteten Weinrestaurants wie z.B. die „Rosenlaube“, den „Ratsstube“, den „Hohenzollernsaal“. Zudem ist sie ein Kompendium der Weine und ihrer Geschichte aus deutschen und anderen Weinbauregionen.
Nach der Zerstörung dieses architektonischen Kleinods im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände in den 1950er-Jahren beräumt und das heutige „Haus der Russischen Wissenschaft und Kultur“ darauf errichtet. Wie so vieles eine Tragik in der Berliner Stadtgeschichte als Folge des von Deutschland 1939 ausgelösten Weltkrieges.






