Die Geschichte des Berliner Stadtschlosses ist eng mit der Geschichte des Weinanbaus in Berlin und der Mark Brandenburg verbunden. Schon 1133 holte „Albrecht der Bär“ Mönche und Siedler in die Mark, die den Weinbau einführten.
Am 31. Juli 1443 erfolgte die Grundsteinlegung für das Schloss. 1451 zog Kurfürst Friedrich II, genannt der „Eiserne“ oder „Eisenzahn“, im neuen Schloss ein.
Andreas Ludwig Krüger nach Johann Stridbeck
Prospect der innern Hofes, Ihre Churfürstl. Durchl. / von Brandenburg in Cöllen an der Spree, Berlin, 1690 / 1796, Federzeichnung, Büttenpapier, Blattmaß: H: 22,50 cm , B: 31,50 cm , Inv.Nr.: GHZ 64/3,7, Sammlung Stiftung Stadtmuseum Berlin
Über die Jahrhunderte, in denen Kurfürsten, Könige und Kaiser darin herrschten, wurde dort Wein getrunken. Im Schlosskeller wurde für reichlich Vorrat gesorgt.

Im kurfürstlichen Weinkeller im Potsdamer Stadtschloss. Aus: „Der Große Kurfürst“. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Sanssouci 1988
Die einheimischen Weine waren ein wichtiges Handelsgut in der Mark Brandenburg und standen unter besonderem Schutz. Schon im 13. Jahrhundert verzeichnete das Berliner Stadtbuch Verordnungen über den Umgang mit einheimischen Weinen.
Als 1435 die Ritter des Johanniterordens etwa 4.000 ha Land mit acht Weingärten an die Berliner und Cöllner Ackerbürger verkauft hatten, schlug Kurfürst Friedrich II. der „Eiserne“ zu, jagte ihnen das Land ab und ließ künftig den Wein von diesen Bergen in seine Keller einfahren. Nur wenige Jahre später wurden einige Weinberge wieder an Cöllner Bürger verkauft. Der Kurfürst war knapp bei Kasse.
Einer der nächsten Kurfürsten, Johann Georg, traf 1578 mit einer Weinmeisterordnung in 28 Kapiteln Festlegungen zum Weinanbau in der Mark Brandenburg und in Berlin. Darin sind alle notwendigen Arbeiten aufgeführt, die übers Jahr zum Gedeihen der Reben beitragen. Johann Georg lebte vor allem in seiner Burg Zechlin, in der Ostprignitz. In dieser Zeit gab es Regelungen, wieviel Wein aus Berlin an den Hof zu liefern war.
Blick auf das Schloss um 1905. Sammlung W. Krause
Sein Nachfolger, Kurfürst Joachim Friedrich, erließ im Jahr 1604 eine zweite Weinmeisterordnung. Eine nächste ist aus dem Jahr 1617 bekannt. Joachim Friedrich stiftete 1607, ein Jahr vor seinem Tod, das Joachimsthalsche Gymnasium. Vermutlich gab es auch zum Stiftungsfest einen Umtrunk mit Wein. Bis ins 18. Jahrhundert wurde der Weinanbau gefördert.
Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, bekannt durch seinen Sieg gegen schwedische Truppen bei Fehrbellin im Jahr 1675, ordnete das Anlegen königlicher Weinberge zum Wohle Berlins und seiner Bürger an. Den Weinmeistern versprach er Steuerfreiheit. Er und seine Vorgänger schätzten vor allem die einheimischem Weine. Er ließ für seine erste Gemahlin, Luise Henriette, den „Hohen Weinberg“ mit italienischen und französischen Weinstöcken bepflanzen, um damit die Sortenvielfalt der heimischen Rebstöcke aufzuwerten. Die Pflanzung lag etwa auf dem Gebiet der heutigen Charité, Richtung Humboldthafen. Sein Nachfolger, Kurfürst Friedrich der III, krönte sich 1701 in Königsberg selbst zum König Friedrich I. in Preußen. Wieviel Liter Wein während der sich anschließenden Feierlichkeiten in Berlin geflossen sind, ist nicht bekannt. Die 60.000 Berliner sollen um 1711 jährlich 859 Eimer zu je 70 Liter Landwein getrunken haben. Am Hof trank man neben Rhein- und Moselweinen inzwischen auch Tiroler-, Neuchateler- und Burgunderweine sowie den ungarischen Tokajer. König Friedrich Wilhelm I., genannt der Soldatenkönig, galt als äußerst sparsam und führte u.a. eine strenge Steuerordnung ein. Diese traf vermutlich auch den Weinhandel. Auf den Wein- und Tabakgenuss während des vom Vater übernommenen „Tabakkollegium“ wurde wohl nicht verzichtet. Hier tat sich besonders ein Jacob Paul von Gundling hervor. Der Rechtsgelehrte gab sich übermäßig dem Weingenuss und der Spottlust hin. Am Ende seiner Tage wurde er in einem Weinfass beigesetzt.
König Friedrich II. bevorzugte Rhein- und Ungarweine. In seinem Testament von 1769 verfügte er, dass einige seiner Nachkommen mit Fässern oder „Eimern“ (70 Liter) voll Ungarwein bedacht werden.
Friedrich II. liebte die Trauben. Speziell dafür wurden in den Weinterrassen an dem ab 1745 in Potsdam gebauten Schloss „Sanssouci“ Tafeltrauben angebaut.
Wie wäre es mit einer „Weinstube“ im Berliner Schloss-Neubau, in der die Weingeschichte der Stadt erzählt wird?


