Das historische Baudenkmal des Grauen Klosters sowie die Ausgrabungsstätten am Molkenmarkt in unmittelbarer Nähe, zwischen Kloster-, Litten- und Grunerstraße, sind touristische Hotspots. Auf historischen Ansichten ist zu sehen, von welch baulicher Größe und Attraktivität das Gesamtensemble aus der um 1250 gebauten Klosterkirche, dem Kloster selbst und dem dazu gehörigen Gymnasium waren. Am 3. April 1945 wurden alle Gebäude im Bombenhagel auf Berlin zerstört. Es war ein einzigartiges Denkmal mittelalterlicher gotischer Baukunst.

Ruine des Grauen Klosters in Berlins Mitte Fotos: © W. Krause

Der Name „Graues Kloster“ geht auf die graue Kleidung der Franziskanermönche zurück, die in Berlin um 1300 dort ein- und ausgegangen sind. Sie sollen bei den Stadtbewohnern nicht unbeliebt gewesen sein, weil sie auch Seelsorge ausgeübt haben, als Mitte des 14. Jahrhunderts ein Bannfluch über der Stadt lag. Stadtbürger hatten den Propst Nikolaus von Bernau erschlagen, der sich gegen einen künftigen Landesherren aus Bayern gestellt hatte.

Das Graue Kloster um 1832 und 1890 aus „Berlin einst und jetzt“. Verlag Gustav Grosser, Berlin 1926

Die Geschichte von Kirchen und Klöstern und die des Weinanbaus gehören unabdingbar zusammen. Klosterinsassen waren nachweislich die ersten, die bereits im frühen Mittelalter gesundheitliche Fürsorge für die Bevölkerung übernahmen. In den Pestzeiten Mitte des 14. Jahrhunderts waren es vor allem Mönche, die mit ihren Erkenntnissen aus der Pflanzenkunde versuchten, Tod und Elend einzuschränken. Schaut man in Kräuter- und Heilmittelbücher dieser Zeit, fallen immer wieder die Worte Wein und Weinrebe auf.

Zu jeder christlichen Zeremonie in einer Kirche gehörte und gehört noch heute der sogenannte Messwein. Als roter Wein symbolisiert er das „Blut Christi“. Schon auf ältesten Abbildungen findet sich die Darstellung eines Weinkelches auf der Tafel des Abendmahls, an der Jesus mit seinen Jüngern sitzt.

Historische Darstellung. Ausstellungstafel des Fördervereins Weingarten Berlin e.V.

Dieser Messwein und Weine überhaupt unterlagen und unterliegen strengsten Regeln der Reinheit, da es Weinfälschungen damals wie heute gab. Bereits 1498 wurde eine erste „Ordnung und Satzung über den Wein“ erlassen, die im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ galt. Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg erließ eine „Wein-Meister Ordnung, de dato Cölln an der Spree, in den Weihnachts-Feyertagen 1604“. Darin gibt es in 28 Kapiteln genaueste Anweisungen, wie der Wein übers Jahr zu pflegen und was beim Keltern zu beachten ist. Dieser Ordnung unterlag selbstverständlich auch der am Fuße des Tempelhofer Berges, des heutigen Kreuzbergs, angebaute Wein. Dieser Weinberg gehörte ab 1443 zum Grauen Kloster und war ab dem 16. Jahrhundert ein kurfürstlicher Weinberg. Wie im Pankower Weingarten wächst auf einem Gärtnereigelände am Kreuzberg auch heute wieder Wein.

Mitte des 16. Jahrhunderts gab es am Fuße des Kreuzbergs eine Ziegelei, deren Steine für die Bauten des Klosters genutzt wurden. Der Bau des dazugehörigen Gymnasiums „Zum Grauen Kloster“ entstand ab 1574 aus der Zusammenlegung der beiden Pfarrschulen St. Marien und St. Nikolai, die diesseits und jenseits der Spree in Berlin und Cölln lagen. Viele Berühmtheiten haben dieses Gymnasium absolviert. Selbst nach 1945, nach der Verlegung in der zerstörten Stadt, galt es noch als „bürgerliche Eliteschule“.

Porträt von Leonhard Thurneysser, der ab 1572 seine Werkstätten im Grauen Kloster hatte.

Nachdem die Franziskanermönche nach der Reformation das Kloster verlassen hatten, bezog 1572 ein sogenannter Alchimist das Gebäude. Leonhard Thurneysser kam aus Basel, war gelernter Goldschmied, wirkte als Leibarzt am Hofe des Brandenburgischen Kurfürsten Georg und war offenbar sehr geschäftstüchtig. Er soll 200 Menschen in seinem „großartigen Laboratorium“ beschäftigt haben. Neben dem Buchdruck, dem Schriftguss und anderen künstlerischen Gewerken, betrieb er vor allem die Kräuterdestillation und die Branntweinbrennerei.

Wieder war Wein als Ausgangsprodukt gefragt.