Dieser gewaltige Gebäudekomplex entstand Ausgang des 19. Jahrhunderts an der heutigen Friedenstraße, nachdem ein Berliner Jurist namens Armand Knoblauch das Gelände in der Größe von etwa vier Fußballplätzen gekauft hatte.

Die ehemalige Mälzerei. Foto: © W. Krause

In diesem Gebiet an den Hängen des Barnims zwischen der Friedenstraße, der Pufendorfstraße und heutiger Landsberger Allee lag Anfang des 17. Jahrhunderts eines der größten Weinbergsstücke im Berliner Nordosten. Das gehörte Generalfeldmarschall Georg von Derfflinger, der sich bei Kurfürst Friedrich Wilhelm verdient gemacht hatte. Derfflinger war Sohn eines Weinschenks und wurde 1606 im österreichischen Neuhofen geboren. Sein Name ist in die Berliner Weinbaugeschichte eingegangen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete, waren die Weingärten fast alle zerstört. Weitere fielen den Frösten des Jahres 1740 zum Opfer.

Die Hanglage, mit einem Höhenunterschied von bis zu zehn Metern, bot beste Voraussetzungen, darauf eine Brauerei zu errichten. Heute erkennbar an der Treppe zwischen dem Wohnungsneubau und der ehemaligen Mälzerei.

Die Treppe zeigt in der Friedenstraße den Höhenunterschied von der Barnim-Hangkante zur Straßenhöhe. Foto: © W. Krause
Sammlung W. Krause

Um das Bier kühl zu halten, mussten vor allem Lagerkeller vorhanden sein, deren Einbau hier aufgrund des niedrigen Grundwasserspiegels und des lehmigen Bodens möglich war. Vorbild für das 1868/1869 errichtete „Böhmische Brauhaus“ war die baugleiche Brauerei im böhmischen Micholup der Familie Dreher. Wurde anfangs das Bier noch mit Natureis kühl gehalten, das in den Kellern eingelagert war, gab es ab 1883 bereits eine technische Kühlung.

Im Auftrag des Unternehmens fuhr 1898 das erste Bierauto durch die Stadt. Armand Knoblauch, der Mitinhaber der Brauerei, starb 1905. Es folgten mehrere Umwandlungen in der Unternehmensführung und die Fusion mit der Löwenbrauerei. 1938 belief sich die Produktion unterschiedlicher Biersorten der Löwenbrauerei Böhmisches-Brauhaus auf 420.000 Hektoliter.

Während des zweiten Weltkrieges wurden Teile des Komplexes stark zerstört und die Bierproduktion eingestellt.

Die DDR enteignete die ehemaligen Besitzer und richtete ab 1952 das größte Weinlager des Landes in Teilen des Gebäudes ein. Hier lagerten vorwiegend Weine aus der damaligen Sowjetunion, Bulgarien und Ungarn, die in Kesselwagen angeliefert wurden. Die zumeist lieblichen Weine wurden von den Kellermeistern zu einem Cuvée gemischt. Besondere Marken aus der Großkellerei waren: „Goldener Nektar“ (aus Riesling- und Silvaner-Trauben), „Vine Rouge“ (aus nordafrikanischen Rotweintrauben). Hochwertiger waren Direktabfüllungen wie „Rosenthaler Kadarka“ aus Bulgarien, „Grauer Mönch“ und „Tokayer Furmint“ aus Ungarn, „Muskat Ottonel“ und „Murfatlar“ aus Rumänien.

DDR Weinprospekt. Sammlung W. Krause
Etiketten. Sammlung W. Krause

Nach 1990 änderte sich das Trinkverhalten, und die lieblichen Weine wurden durch trockene abgelöst.

Die im Saale-Unstrut-Tal und rund um Meißen angebauten Weine gingen hauptsächlich an „Sonderbedarfsträger“ wie z.B. Hotels und „Intershops“, wo sie gegen Devisen verkauft wurden. Die verbliebenen geringen Mengen waren sogenannte „Bückware“.

Neben der Weingroßkellerei entstand in einem weiteren Gebäudekomplex ein Großhandelskontor für Schuhe. Es wurden verschiedene Werkstätten eingerichtet, in den 1970er-Jahren ein Umspannwerk eingebaut. Das Sudhaus, in dem früher das Bier seine Würze erhielt, war ab 1952 ein Sportkomplex für den Verein SG Empor Brandenburger Tor.

Nach 1990 und Übernahme des Geländes durch die Treuhandgesellschaft entstanden letztendlich in der Landsberger Allee ein Hotel und ab 1999 unter dem Namen Forum Friedrichshain sogenannte Loftflächen für unterschiedlichste Nutzung.