Dieser Hügel am Rande des Barnim vor den Toren der mittelalterlichen Stadt hat viel Berliner Geschichte erlebt. Er gehörte zu den Wein- und Mühlenbergen. Heute wird gesagt, man geht zum Wasserturmplatz. Schon ab dem 13. Jahrhundert wurde das zur Berliner Feldmark gehörende Gebiet wirtschaftlich genutzt, war Acker- und Hüteland, und an den Hängen der Barnim-Hangkante gab es die flächenmäßig größten Weinberge. In diesen Jahren wuchs Berlin innerhalb seiner Mauern. Die in der Stadt vorhandenen Mühlen aber konnten den Mehlbedarf für die Bevölkerung nicht mehr decken. König Friedrich II. befahl, die Höhen zwischen heutiger Metzer, – und Saarbrücker Straße mit Mühlen zu bebauen.

Ein sogenannter Zeitpächter names Gottfried Voigt zog 1749 mit Frau, Kindern und sechs Knechten als einer der ersten Bewohner in diese Gegend. Über dreißig Mühlen haben in Prenzlauer Berg gestanden, acht allein auf dem sogenannten Mühlenberg. Die letzte in dieser Gegend wurde erst 1936 nach einem Brand abgerissen.

Der Eiswinter von 1740/1741 und ein Spätfrost im Mai 1742 vernichteten nahezu alle Rebstöcke am Barnimrand. Ein Neuanfang des Weinanbaus lohnte aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es nur noch auf kleineren Flächen Weinanbau. Das Bier setzte sich durch. Anfang des 18. Jahrhunderts hatte ein Georg Friedrich Bötzow bereits Land in den „Wein-Bergs-Stücken“ erworben. Die Familie baute Wein an und stellte daraus zunächst Branntwein her. Damit begann die Bötzow-Familiengeschichte rund um den Mühlenberg und später die des Bierbrauens im 19. Jahrhundert. Das Grundwasser der Gegend war ausgezeichnet, und das Berginnere bot genug Raum für Gärung und kühle Lagerung des untergärigen Bieres.

Johann Georg d.Ä. Rosenberg
Vue de Berlin, prise de la montagne des Moulins. Hors de la porte de Prentzlau , 1795, Radierung, Papier; Blattmaß: 33,70 x 48,90 cm , Inv.Nr.: GDR 69/8, Sammlung Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Oliver Ziebe, Berlin

Zu dieser Zeit, als London bereits über ein Wasserwerk verfügte, holten die Berliner immer noch das Wasser aus Brunnen oder direkt aus der Spree. Die gesundheitlichen Folgen blieben nicht aus. Friedrich Wilhelm der IV. verfügte den Bau einer modernen Wasserversorgung nach englischem Vorbild. In London fanden sich Aktionäre, die für den Bau der Berliner Wasserversorgung eine Aktiengesellschaft gründeten. Sie schlossen einen Vertrag für 25 Jahre mit Berlin ab. Die ersten Direktoren der Berliner Wasserwerke waren Engländer. Das erste Wasserwerk entstand 1856 an der heutigen Oberbaumbrücke. Vordergründiges Ziel war es, das zweite Stockwerk des Berliner Stadtschlosses mit Wasser zu versorgen. Mittels Dampfmaschinen wurde das Wasser durch Rohrleitungen in ein offenes Becken auf dem Wasserturmplatz gepumpt. Von dort konnte es in die umliegenden Häuser geleitet werden.

Der Steigrohrturm mit offenem Wasserbecken 1856 © Museum Pankow
Blick auf das Wasserturmplateau 2006. Foto © W. Krause

Rundherum war die Stadt gewachsen und benötigte immer mehr Wasser. Um das zu gewährleisten wurde 1877 der große Wasserturm, genannt „dicker Herrmann“ mit einem Hochreservoir, mit Beamtenwohnungen gebaut. Der späterhin gebaute große Tiefbehälter sicherte den gestiegenen Wasserbedarf.

1914 schloss man die Anlagen. Sie waren veraltet.

Berlinweit bekannte Gartenarchitekten wie Albert Broderson um 1916 und Paul Mittelstädt um 1937 gestalteten das Gelände zu Grünanlagen mit einem Spielplatz. Die technischen Anlagen stehen seit 1991 unter Denkmalschutz. Die Wohnungen im Wasserturm sind weiterhin bewohnt, die Kellergewölbe werden für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Wein am Wasserturm Foto © W. Krause
Gemeinsame Pflanzaktion der Wiener Weingärten und des Vereins “Weingarten Berlin ” e.V. zur Anlage des Weingartens am Wasserturm. Foto © W. Krause
Rosen und Wein auf dem Wasserturmplatz. Foto © Ch. Funke

Im Jahr 2005 erlebte hier der Weinanbau einen Neuanfang. Es entstand ein Wiener Weingart’l am Hang des Wasserturmberges als Schaugarten. Die Geschichte dazu: Wien beherbergt in seinen Stadtgrenzen 700 Hektar Weingärten. Der gemischte Anbau, genannt der „Wiener Gemischte Satz“, wird aus den Rebsorten Grüner Veltliner, Riesling und Chardonnay gekeltert. Wein in der Stadt anzubauen, ist nicht nur für den pflanzlichen und tierischen Artenreichtum gut, sondern auch für das Großstadtklima.

Die Anlage des Schaugartens am Wasserturm war eine Marketingmaßnahme der Wiener Weingüter gemeinsam mit dem “Weingarten Berlin” e.V.