Bis hier, fast an den Teutoburger Platz heran, reichte der Wollank’sche Weinberg. Der „Teute“, wie er von den Anwohnern genannt wird, liegt im Geviert der Christinen, Fehrbelliner, Templiner und Choriner Straße. Diese Straße führte damals direkt durch den Weinberg. Auf Höfen in der Fehrbelliner Straße und der nahen Lottumstraße sind noch Abbrüche der Barnim-Hangkante zu sehen.
Vor etwa zweihundert Jahren hatte man vom Teutoburger Platz aus einen freien Blick durch den Hohlweg Richtung Schönhauser Tor. Der höchste Punkt dieser Gegend mit seinen 52 Metern liegt am Ende der Zionskirchstraße. 1873 wurde darauf die Zionskirche eingeweiht. Ihre Gemeinde nennt sich noch heute „Gemeinde am Weinberg“.
Plan von 1890. Sammlung W. Krause
Mit dem Bauboom zu Beginn des 19. Jahrhunderts, vor allem nach 1871, als Reparationsgelder aus dem Deutsch-Französischen Krieg flossen, war hier das Ende der Weinberge besiegelt. Es entstanden die berühmt-berüchtigten Mietskasernen mit ihren Hinterhofschluchten.
In den Wohnungen lebten Großfamilien, die es in der Hoffnung auf Arbeit vor allem aus den preußischen Ostgebieten und dem damaligen Schlesien nach Berlin gezogen hatte. Ihre Kinder spielten auf betonierten Innenhöfen. Deren Größe war nach dem Wenderadius einer Feuerwehr damaliger Bauart berechnet.

Hinterhofidylle 1897. Foto Sammlung @ W. Krause
Den Stadtplanern und ihrem berühmtesten Mann, James Hobrecht, war klar, dass Freiräume für „Kind und Kegel“, wie der Berliner sagt, geschaffen werden müssen. Durch ein Enteignungsverfahren gegenüber den Vorbesitzern konnte der Platz mit dem Namen „A XI“ 1874 für die Stadt zum Markthandeln erworben werden. Ab 1875 hieß er Teutoburger Platz. Um 1910 wurde er als Spielplatz gestaltet und freigegeben.

Die „Alte Molkerei“ gab es noch bis in die 1960er Jahre. Foto: © W. Krause

Entwurfsplan für die Neugestaltung des Platzes in den 1990er Jahren. Sammlung W. Krause
Dieser Platz bietet für Touristen keine Attraktionen.
Ein Spaziergang im schönsten Oktobersonnenschein 2025 beweist, der Platz funktioniert als Kinder-Spiel- und Familienplatz wie einst geplant.
Wer aber weiß noch etwas von der Weinanbaukultur, die es hier einmal gab?

Fassadengrün an den Häusern rund um den Teutoburger Platz Foto: © W. Krause
In den Vorderhäusern rund um den Platz lebte man in großartigen Wohnungen. Manche noch mit einem Dienstbotenaufgang vom Hof aus. Wer dort wohnte, war Weingenießer. Man trank aus edel geschliffenen Gläsern. Die Bewohner der „Belle Etage“ im Vorderhaus schworen darauf, dass dieser gesünder sei als das Bier. So wurde es seit der Antike publiziert.
Die mit Kräutern und Gewürzen versetzten Weine sollen eine besonders gesundheitsfördernde Wirkung gehabt haben, was viele Rezepturen belegen.

Eckkneipe am „Teute“. Foto: © W. Krause
Die Männer der auf engstem Raum lebenden Familien gingen nach getaner Arbeit lieber in ein billiges „Glas-Bier-Geschäft“, in eine der vielen „Eckkneipen“. Diese gab es Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin häufig an allen vier Ecken einer Straßenkreuzung. Bestes Beispiel dafür ist noch heute das „Metzer Eck“, in dem seit über hundert Jahren Bier gezapft wird.
War man nach der Tagesarbeit und dem Biergenuss müde genug, konnte man die Familiensorgen ertragen. Elend wurde schon immer weggetrunken. Der Berliner bevorzugte neben dem Bier den „Gilka-Kümmel“, den „Rittmeister“ oder „Mampe Halb & Halb“.
Man weiß, dass übertriebener Alkoholgenuss – ob aus Weinreben oder Hopfen gewonnen – dem Geist und dem Körper schadet.
Doch „ein Gläschen in Ehren“ sollte „niemand verwehren“.
Die Ausstellung „ Natur entdecken in Pankow……“
Die Ausstellung zeigt viele Aspekte der Grünentwicklung des Bezirks Pankow, unter anderem die Entwicklung des Teutoburger Platzes und anderer Stadtplätze, aber auch Schlossparks, Wohngrün, Bäume, Naturschutzgebiete und vieles andere mehr. Sie ergänzt sehr schön die Weinwanderung.
