Wie alle Erhebungen zwischen der Landsberger Allee, Greifswalder Straße, der Prenzlauer und der Schönhauser Allee haben sie eine Geschichte, die mit dem Berliner Weinanbau schon weit vor dem Mittelalter begonnen hat. Sie endete, je nach Lage, Zerstörungen, Verkaufswillen der Besitzer und Beendigung der Anbautradition vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg Mitte des 17. Jahrhunderts und nach einem Kälteeinbruch 1740, der viele Weinstöcke erfrieren ließ. Natürlich nannte man den das damals nicht Klimawandel, aber für den Weinanbau war der Temperatursturz zerstörerisch.

Danach wuchsen auf den Flächen vor allem Getreide und später Kartoffeln. Aus Getreide konnte Bier gebraut werden, aus Kartoffeln wurde Schnaps gebrannt. Das Geschäft des Bierbrauens blühte im Norden Berlins besonders auf den ehemaligen Weinbergshügeln.

Man konnte tief in die Erde hinein graben und Keller anlegen, um den Gerstensaft kühl zu lagern und vor dem Verderben zu bewahren.

Postkarte um 1900. Sammlung W. Krause

Um 1841 hat Karl Pfeffer, ein bayerischer Braumeister, das Gelände an dem Weg nach Schönhausen, an der Schönhauser Allee, für sich entdeckt und dort untergäriges Bier gebraut. Die in den Berg eingetriebenen Keller sollen zu den größten Gewölben Berlins gehört haben. Der Standort des Bierausschanks vor Ort konnte nicht günstiger liegen – auf dem Weg ins Grüne nach Pankow. Oder man blieb bei Pfeffer in seiner Bierhalle sitzen, deren Dach geöffnet werden konnte und in lauen Sommernächten den Blick zum Himmel freigab.

Postkarte um 1900. Sammlung W. Krause
Im Eingangbereich des Eventortes Pfefferberg. Foto: © W. Krause

Das Industriedenkmal Pfefferberg, direkt an der U-Bahnstation Senefelderplatz gelegen, ist mit seinem Theater und den gepflegten gastronomischen Einrichtungen heute ein Touristenmagnet. Zudem sind unterschiedlichste Gewerke und Gewerbe auf dem Areal angesiedelt.

Berliner Weinkeller 1940. Sammlung W. Krause
Lageplan des Pfefferbergs vor 1990. Foto: © W. Krause

Bis 1921 wurde hier noch Bier gebraut. Im Wandel der Zeiten änderten sich die Nutzungen des Geländes und seiner Gebäude. Nach 1945 bis 1971 standen in den Kellergewölben der ehemaligen Brauerei Setzmaschinen der Druckerei „Neues Deutschland“, Zeitung des Parteiorgans der DDR und seiner Staatspartei SED.

In den Hochzeiten des Bierbrauens bei Pfeffer wurden dort auch Fässer für die Bierlagerung hergestellt, war eine Böttcherei dort tätig.

Werbekarte der Weinhandlung in der Friedenstraße um 1900. Staatliche Museen zu Berlin

Die Herstellung von Fässern hat eine über 2000jährige Geschichte. Die in diesem Handwerk Beschäftigten hießen u.a. Küfer, Büttner, Böttcher oder Fassbinder. In ihrer Zunft war nicht nur Präzisionsarbeit gefragt. Ihre Kenntnisse, welches Holz für welches Fass das richtige war, hatte großen Einfluss auf die Qualität des Inhaltes. Bei Fässern, deren Dauben aus Kastanienstämmen stammten, musste man mit Holzwürmern rechnen. Auch andere Hölzer erwiesen sich als zu leicht, zu luftdurchlässig oder gar zur Fäulnis neigend. Die Küfer wussten sehr wohl, welches Fass zu ihrem Wein passte und wie man mit dem Holz umzugehen hatte, um dem Traubensaft noch einen besonderen Geschmack zuzufügen. Wenn das Fass noch ohne Boden war, wurde es über ein offenes Feuer gehängt und der Rauch des Feuers setzte sich im Holz fest. Was da verbrannt wurde und heute noch verbrannt wird wie Pinien, Wacholder, Douglasie, Kiefer und andere Gehölze – jeder Rauch hat sein Aroma und bleibt in allem haften, was in seiner Nähe ist.

Nur Wein- und Whiskyproduzenten kennen die wirklichen Geheimnisse dieser Gerüche, um sie für den Geschmack ihrer Produkte zu nutzen. Edle Weine gehörten damals und gehören heute noch in ein Eichenfass abgefüllt. Die teuersten Hölzer dafür kommen aus Südfrankreich oder aus Wäldern in den USA.

Legendär geworden ist das Weinfass, das August der Starke, der sächsisch-polnische König, um 1720 mit einem Fassungsvermögen von 254.000 Liter bauen ließ. Auf dem Fass soll man sogar getanzt haben können. Es war außen mit viel Schnitzkunst verziert. In traditionsreichen Weinkellern gehört es dazu, nicht nur das Getränk zu zelebrieren, sondern auch – wenn möglich – die Kunst der Böttger- und Küfermeister und ihre Fässer vorzuzeigen, die immer mit viel Holzschnitzkunst zum Thema Wein verziert sind – wie das Fass des sächsischen–polnischen Königs.

Das große Weinfass von Heidelberg. Postkarte von 1880. Sammlung W. Kraus