Wer vor etwa 150 Jahren vom Rosenthaler Platz gen Norden wollte, hatte das an der Schönhauser Allee gelegene Tor zu passieren. Es soll, wie alle Stadttore im Osten, nicht zu den attraktivsten gehört haben.
Die Bediensteten aber taten als Visitatoren ihre Pflicht, kontrollierten die Weintransporte in die Stadt auf Fälschungen und Panschereien, auf die mitgeführten Rauch- und Schnupftabakmengen und u.a. auf „ungestempelte Spielkarten“.
Das Areal an der Torstraße, der Angermünder Straße bis hin zur Lottumstraße war teilweise schon bebaut. Seit 1709 stand dort „Das Königliche Vorwerk“, eine Art rundum gesicherte Anlage mit Wirtschaftsbetrieben wie Ställen, Scheunen und Schuppen. Von dort aus erfolgte die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen vor dem Tor, zu denen auch Weinbauflächen gehörten.
Im Jahr 1823 war die in diesem Raum gelegene„Hardt’sche Meierei“ durch Heirat der 16jährigen Tochter eines begüterten Berliner Ackerbürgers in den Besitz von Christian Wilhelm Griebenow gelangt. Griebenow, geboren 1784, stammte aus dem pommerschen Prenzlau. Er war gelernter Büchsenmacher und erwarb sich seine Verdienste um 1813 durch Beteiligung an den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Seine Frau verstarb 1852. Fortan verwaltete er den geerbten Besitz und verstand es, diesen durch erfolgreiche Spekulationen zu mehren. Ab irgendwann gehörten ihm links und rechts der Schönhauser Allee 130 Hektar Land, etwa die Fläche von 130 Fußballplätzen. Eine Fläche davon verkaufte er an den Militärfiskus. Es ist der heutige Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Eine andere Fläche vergab er an die Freireligiöse Gemeinde Berlin, die sich 1845 gegründet hatte. Er ließ die Kastanien- und Pappelallee anlegen. Nach seinem Tod 1865 schenkte seine zweite Frau der Stadt Berlin Gelände für die Erbauung der Zionskirche.

Ausschnitt aus dem Plan von J.F. Walther von 1737. Sammlung @ W. Krause

Eine der Gaststätten entlang der Schönhauser Allee um 1900. Sammlung W. Krause
Als nach 1871 die Berliner Einwohnerzahl nahe der Millionengrenze lag, zogen die Bewohner an freien Tagen scharenweise aus der Enge der Stadt hinaus durch die Schönhauser Allee gen Norden. „Pankow war das Ziel“, hieß es in einem zeitgenössischen Lied. Es war der nahegelegenste und bekannteste grüne Ort von der Stadtmitte aus. Königin Elisabeth Christine, die Gattin des Königs Friedrich II., residierte 50 Sommer lang im Schloss Schönhausen. Um 1750 hatte sie ein 35 Hektar großes Waldgebiet, die Schönholzer Heide, für die Anlage einer Maulbeerplantage, für Weinanbau und andere Obstgehölze gekauft. Auch auf ihrem Schlossgelände in Pankow-Niederschönhausen wuchs Wein. Sie soll ihrem Mann hin wieder aus ihrem Anbau Trauben geschickt haben, die er gelobt hat.
Noch heute fährt man gen Pankow an den ehemaligen Brauereien Königstadt und Pfefferberg vorbei. Auf dem Senefelderplatz steht seit 1892 das Denkmal des Erfinders der Lithografie Alois Senefelder. Dort treffen die Metzer- und die Kollwitzstraße aufeinander. Die Mittelpromenade der Metzer Straße schmückt die kleine Brunnenplastik „Paar in der Badewanne“ von Stefan Horota. Der Künstler hat sie der Liebe und dem Wein gewidmet. In der Kollwitzstraße lebte über 50 Jahre lang die weltberühmte Künstlerin Käthe Kollwitz.

Enthüllung des Senefelder Denkmals 1892. Stiftung Stadtmuseum Berlin

Der Senefelderplatz 2025. Foto: © W. Krause
Viele Berühmtheiten Berlins haben auf dem an der Schönhauser Allee angrenzenden Jüdischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Zum Ritual des jüdischen Lebens gehört, dass bei jedem Fest koscherer Wein angeboten wird. Dieser wurde bereits seit 1621 in Berlin und Brandenburg produziert.
Entlang der Strecke gab es vormals keine Not, sich mit Wein oder Bier zu versorgen. In die Pankower Geschichte ist das Innungsfest der Raschmacher, das „Fliegenfest“ eingegangen. Raschmacher stellten leichtes Wollgewebe her. Ab etwa 1842 zogen sie im Juli oder August von der Stadtmitte aus ins Restaurant „Linder“ nach Pankow und sollen von beiden Getränkearten reichlich Gebrauch gemacht haben.


