Berlin als Festungsstadt 1725 mit den Weinbergen rings um Berlin – im Norden, an der Barnim-Hangkante und am Teltow im Süden. Sammlung W. Krause

Diese Prachtbauten aus den Gründerjahren gegenüber der Königstadtbrauerei, erbaut nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1870/1871, haben eine Vorgeschichte. Berlin war im 18. Jahrhundert Residenz von Friedrich Wilhelm I., dem sogenannten „Soldatenkönig“.

Blick in die Saarbrücker Straße um 1930. Sammlung W. Krause
Fassade im Stil des Berliner Klassizismus in der Saarbrücker Straße 2025. Foto: © W. Krause

Nach dem ausschweifenden Leben seines Vaters war er darauf bedacht, das Land wieder zu konsolidieren und vor allem vor Angriffen von außen und vor innerer Zersetzung zu schützen. Im Jahr 1755 waren über 20 Prozent der Berliner Einwohnerschaft Militärangehörige. Im Teil des heutigen Prenzlauer Berg von der Torstraße bis zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion konzentrierten sich militärische Einrichtungen. Auf dem Platz des heutigen „Soho House Berlin“ an der Ecke Torstraße/Prenzlauer Allee stand einst ein Exerzierhaus, daneben lag ein Schützenplatz. Das heutige Stadion an der Cantianstraße war Exerzierplatz, immer noch als „Exer“ bekannt.

Einzige Darstellung des Exercierhauses an der Ecke Prenzlauer Allee/Torstraße um 1900. Museum Pankow

Desertierte einer der Soldaten, schoss eine Kanone auf dem heutigen Friedhofsgelände an der Prenzlauer Allee Alarm. Den Deliquenten drohten harte Strafen. Bauern, die bei der Gefangennahme geholfen hatten, wurden belohnt.

Schon Cäsar soll seine Soldaten mit Wein kampfesmutiger gestimmt haben. Deputatwein erhielten auch die Soldaten unter Friedrich Wilhelm I. Dabei war nicht nur an Kampfesmut gedacht. Der Weintrunk sollte vor allem vor Darmkrankheiten schützen, denn bakterienfreies Trinkwasser gab es zu damaliger Zeit nicht. Weine von guter Qualität und gutem Geschmack erhielten die Soldaten natürlich nicht. „Lurke“ oder „Lorke“ gab es zumeist zu trinken. Im Brandenburgischen hieß das auch „Gesindewein“. Nach dem Pressen wurden die Traubenrückstände, Trester genannt, mit Wasser aufgegossen und mit Zucker versetzt. Das Ganze ließ man gären und wurde dann getrunken. Es war vermutlich bekömmlicher als Wasser aus dem Ziehbrunnen. Die höheren Dienstgrade tranken natürlich keine „Lurke“. Sie hatten ihre Weinkeller und genossen französische Weine oder die von Rhein und Mosel.

Bei aller Sparsamkeit liebte der König eine gute und ausgewogene Küche. Er selbst soll die Speisenfolge für den nächsten Tag festgelegt, dabei aber pedantisch auf die Kosten dafür geachtet haben. Waren Gäste zugegen, ging es üppiger zu. Pro Person war nach dem Mahl eine halbe Flasche Tokajer zugedacht. War man zuvor in einer Jagdgesellschaft unterwegs gewesen, blieb es nicht bei diesem Maß. Die Geschichtsschreibung erzählt, dass sich vor allem teilnehmende ausländische Gesandte an dem Weingenuss gütlich taten. Ein Brite soll es bei seiner Abschiedsfeier aus Deutschland sogar auf acht Flaschen Ungarwein gebracht haben.

General von Ziehten, preußischer General unter Friedrich II., lagerte in seinem Keller über 100 Flaschen Rheinwein und nicht weniger Flaschen „Portac“, ein Wein aus französischen Trauben.

Zur Legende gehört aber auch zu wissen, dass der Alkoholgehalt der Weine damals niedriger war als heute.

An manchen Häusern in der Saarbrücker Straße leuchten im späten Herbstsonnenschein die rotgelben Blätter des selbst kletternden wilden Weines. Nur wer es weiß, kann daran die Urgeschichte der Weinkultur nachvollziehen. Die Pflanze soll schon vor 80 Millionen Jahren auf Erden gewachsen sein. Vor etwa 8.000 Jahren begann ihre Kultivierung. Aus den winzig kleinen Früchten, die der wilde Wein im Herbst trägt, sind bis heute etwa 10.000 verschiedene Rebsorten gezüchtet worden. Von denen sind etwa 2.500 für die Weinproduktion zugelassen.

Fassadenbegrünung mit Selbstkletterndem Wein in der Saarbrücker Straße. Foto: © W. Krause

Die Kletterfähigkeit des wilden Weines hat er sich aus Urzeiten erhalten, in denen er in Wäldern an den Bäumen empor wuchs. Er gilt als Vertikalgrün, das zur Erweiterung des Stadtgrüns sowie zur Klimaverbesserung beiträgt. Zudem ist er Fassadenschutz gegen Witterungseinflüsse und ein wunderbarer Naturraum für Vögel und Insekten. Ein Beispiel ist die Varnhagenstraße in Prenzlauer Berg.

Um die Fassadenbegrünung mit wildem Wein wieder zu fördern, berät der “Weingarten Berlin” e.V. Interessierte.