Ein Gang über das Gelände der ehemaligen Königstadtbrauerei in der Saarbrücker Straße ist ein Erlebnis der besonderen Art. Dieser Mix unterschiedlichster Gewerbe und Gewerke ist beeindruckend. Die Geländegeschichte reicht vom Gründerzeitgeist Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit hinein. Gründergeist hat auch zur Bildung der Genossenschaft Königstadtbrauerei nach 1990 geführt.

Möglich, dass das Gelände immer noch eine Brache wäre, weil sich kein potenter Investor gefunden hat. Dank der Genossenschaft herrscht wieder Leben auf dem Gewerbehof – auch durch den “Weingarten Berlin” e.V.

Der Gewerbehof „Königstadt“, 2025. Foto: © W. Krause

Die Geschichte der Brauerei begann als „Wagner’s Bairisch Bier Brauerei“. In dieser Zeit war die Umgebung noch dünn besiedelt. Vom heutigen Wasserturmberg aus gab es rundum viel freie Sicht. Wann immer die Berliner konnten, flohen sie aus der Enge der Stadt – besonders gern auch auf den Windmühlenberg an der Allee nach „Prenzlow“. Der Besuch einer Schankwirtschaft, der Trunk aus einem Schankkeller, gehörte zum Ausflug dazu.

Die Kellergewölbe für die Bierlagerung. Foto: © W. Krause
Königstadtbrauerei 1910, Postkarte. Sammlung W. Krause
Tür zum Weinlager in der Königstadtbrauerei. Foto: © W. Krause

Vom heutigen genossenschaftlichen Gewerbehof führen – wie früher schon – die Eingänge in die Kellergewölbe der ehemaligen Brauerei. In deren Doppelwänden wurde in den Wintermonaten Eis eingelagert, das bis in den Sommer hielt. Was für die Bierlagerung gut war, ist für die Weinlagerung nicht weniger gut. Es sind die garantierten Temperaturen von 8 bis 13 Grad Celsius und der Lichtabschluss. Darum nutzen der Weingarten e.V. und andere Weinanbieter genau diesen Ort seit etwa 20 Jahren. Manche Weinsorten können je nach Traubensorte, Süße-, Säure- und Alkoholgehalt über Jahrzehnte unter solchen Bedingungen lagern.

Foto 1901. Sammlung W. Krause
Lagerung des Weins aus dem Weingarten im Keller der Brauerei Foto: © W. Krause

Ende des 19. Jahrhunderts entstand in der Wallstraße 25 ein spezieller Keller, in dem stets 400 Fässer mit 600 Liter Inhalt und weitere 40 000 Flaschen lagerten. Im Weinkeller des 1899 erbauten „Kaiserkellers“ lagerten sogar 400 000 Flaschen aus ganz Europa.

Der Riesling, „Der Besondere“ des “Weingarten Berlin” e.V., ist kein Lagerwein. Nach etwa drei bis vier Jahren ändert sich die Geschmacksnote. Unter Kennern ist sie als Petrolnote bekannt, ist also nicht mehr süffig. Damit die Verschlusskorken weich bleiben, ist eine Luftfeuchtigkeit von über 50% notwendig. Auch das bieten die Keller der Königstadt-Genossenschaft.

Noch in zwei Berliner Bezirken erfolgt das Keltern in eigenen Kellern. Alle anderen werden fremd gekeltert; „Der Besondere“ auf dem Weingut des Prinzen zur Lippe bei Meißen. Auf diesem Weingut stehen für das Keltern große Edelstahltanks bereit. Nach dem die Trauben von den Stielen entrappt und gepresst wurden, wird der Most zum Gären in die Tanks gefüllt. Zuchthefen beschleunigen den Gärungsvorgang, und Temperaturfühler kontrollieren diesen Prozess. Nach dem Abfüllen des fertigen Weines in Flaschen werden diese nach Berlin transportiert, per Hand durch Vereinsmitglieder etikettiert und in den Kellern der ehemaligen Königstadtbrauerei eingelagert.

Stahltanks im Weingut des Prinzen zur Lippe, in denen „Der Besondere“ gekeltert wird. Foto: © W. Krause