Zu beiden Seiten der Straße am Prenzlauer Berg liegen die Friedhöfe von St. Nikolai und St. Marien. Diese Straße führt auf die Barnimhöhe.
Blick von der Mendelssohnstraße auf die Barnim-Hangkante; Kugelfang des ehemaligen Schützenplatzes. © W. Krause
Die 1802 eröffnete Ruhestätte der Gemeinde St. Marien und St. Nikolai lag noch auf Berliner Stadtgebiet und war durch die Akzisemauer begrenzt. An ihr entlang führt die Straße am Prenzlauer Berg, auf deren anderer Seite sich seit 1858 der zweite Teil der Friedhofsanlage der Gemeinde befindet. Diese Fläche reicht bis an die Heinrich-Roller-Straße heran. Dieser Friedhof wie auch der angrenzende der Georgen-Parochial-Gemeinde, auf den man von der Greifswalder Straße aus gelangt, lagen schon außerhalb der Stadt.
Dass diese drei Friedhöfe einst Weinberge waren, lässt sich gut vorstellen. Die Ruheorte sind heute naturbelassene Refugien inmitten der Stadt. Jeder Besuch der drei Friedhöfe ist auch ein Gang durch die Berliner Geschichte.
Grabmal des ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten Hinkeldey auf dem St. Marien- und St. Nikolai-Friedhof I, © W. Krause
Im Jahr 1814 kaufte die St.-Georgen-Gemeinde der Witwe eines königlichen Hauptmanns die Weinbergsfläche für 1000 Taler nahe dem Königstor ab. Beerdigungen durften nicht mehr in der Innenstadt erfolgen.
Bald nach den ersten Beisetzungen sollen die Berliner den Friedhof „Weinbergskirchhof“ genannt haben.
Dieser ehemalige Weinberg nannte sich Otto’scher Weinberg. Meiereibesitzer Otto war einfallsreich, um seinen Wein zu verkaufen. Er bot dazu Vergnügungen verschiedenster Art an.
Der einstige Stelzenkrug’sche Weinberg reichte bis fast an den heutigen Alexanderplatz heran. Heute liegt darauf der St.-Marien- und St.-Nikolai-Friedhof I. Auf dieser Friedhofsstätte wurden z.B. der Maler Bernhard Rode, der ehemalige Berliner Polizeipräsident Hinkeldey, der Finanzier Brose sowie der Wäschereibesitzer Spindler beigesetzt.
Aus einer Weinkarte bei Mitscher & Caspary. Postkarte um 1925, Sammlung W. Krause
Am Ende ihres Lebens waren die Cousins Justus Mitscher und Nikolaus Caspary reiche Berliner Bürger, besaßen Weinhäuser und gehörten zu den Privilegierten, deren Namen als „Offizianten“, als Beamte, im königlichen Adressbuch verzeichnet waren. Seit 1785 gab es eine große Weinhandlung von Mitscher und Caspary an der Königstraße, der heutigen Rathausstraße, die erst 1927 geschlossen wurde.
Beide Männer stammten aus einem Ort in der Nähe von Traben an der Mittelmosel. Ihre Vorfahren waren als Küfer schon auf ewig mit dem Weingeschäft verbunden, die vordergründig die Qualität der Weinfässer und deren Inhalt in den ihnen anvertrauten Weinkellern zu überwachen hatten.
Heute würde man Justus Mitscher und Nikolaus Caspary „start ups“ nennen.
Justus war 1784 seinem Bruder Peter nach Berlin gefolgt und hat dem König seine Dienste als Kellermeister angeboten. Das war ein attraktiver und lukrativer Posten, besser bezahlt als manch anderer im Staatsdienst bei Friedrich II. Dem Weinkeller im Berliner Schloss gehörte sein Augenmerk.
1785, ein Jahr vor dem Tod des Königs, konnte Justus Mitscher das Amt antreten.
Nikolaus Caspary gelang es, dem König den Moselwein schmackhaft zu machen. In einem Dokument vom 13. Dezember 1784 wird den „Colonisten und Weingärtnern Mitscher und Caspary die steuerfreie Einfuhr von 10 Stück Faß Moselwein“ gestattet.
Der 700jährige Berliner Weinhandel mit Im- und Export ist schon im alten Berliner Stadtbuch verzeichnet. Der Berliner Wein war vor allem ein Exportgut. Mit hohen Zollabgaben an den Stadttoren versuchte man, den einheimischen Wein zu schützen. Die Ein- und Ausfuhrregelungen dafür oblagen in Berlin der sogenannten „Gilde der Materialisten“, einer Vereinigung von Händlern unterschiedlichster Gewerke und Gewerbe. Dagegen gab es im Brandenburgischen Luckenwalde schon seit 1556 eine „Weinherrengilde“.
Zeitungsanzeige zu den Weinstuben von Lutter & Wegner, Sammlung. W. Krause
Die Spuren der Weinhändlerdynastien von Mitscher, Caspary, Huth und Habel können noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verfolgt werden. Im 1912 erbauten „Weinhaus Huth“ am Potsdamer Platz lädt heute das Restaurant Lutter & Wegner ein.








