Seit dem 13. Jahrhundert war die Doppelstadt Berlin und Cölln von Mauern umgeben. Sie dienten dem Schutz, der Kontrolle, dem Handel und Wandel.
Ein Teil der bereits im 12. Jahrhundert angelegten Weinfelder im Berliner Norden lag weit vor dem mittelalterlichen Stadtzentrum, andere innerhalb der Stadtbefestigung. Fast alle Orte rund um Berlin hatten ihre Weinberge. In der Mark Brandenburg waren es über 500, die vielfach Berliner Ackerbürgern gehörten.
Die Stadtbefestigung bestand aus auch teilweise nach oben angespitzten Holzstämmen, den sogenannten Palisaden. Ein Schlagbaum und „Torgebäude primitivster Art“ bildeten den Ein- bzw. Ausgang. Torwächter kontrollierten das Geschehen.
Das Königstor im Jahr 1763 mit dem Palisadenzaun im Hintergrund. Aus: Der Berliner Osten. Berliner Handelsdruckerei, Berlin N54. Berlin 1930
Das nahe der Georgenkirche gelegene Georgentor in der Höhe des heutigen Alexanderplatzes und nahe dem Stadtschloss gehörte zu den wichtigsten Ausgängen Richtung Nordosten.
Alle Weintransporte hatten die Stadttore zu passieren. Vor Ort oder auf einem nahen Packhof wurden die Weinfuhren „visitieret“ und plombiert, um vor Weinfälschungen sicher zu sein.
Im Jahr 1701 setzte sich Friedrich Wilhelm I. in Königsberg, im damaligen Ostpreußen, die Königskrone selbst aufs Haupt. Fortan regierte er als der erste König in Preußen. Am 6. Mai des Jahres kehrten er und seine Gemahlin triumphal durch das Georgentor in die Residenz zurück. „Dieser Einzug nun gab Gelegenheit, die Vorstadt St. Georgen Königs-Stadt, das Thor Königs-Thor und die Straße die Königs-Straße zu nennen.“
Um 1746 erfolgte eine Erweiterung der 1658 angelegten Stadtbefestigungen nach außen. Die Stadt war gewachsen, der Handel hatte zugenommen. Die Holzpalisaden wurden durch Mauerwerk ersetzt, das alte Königstor wurde abgerissen, das neue hieß Bernauer Tor. Die Straße von dort führte geradenwegs nach Bernau. An ihr, rund um den Weißenseer See, gab es ebenfalls Weinberge.
Friedrich Wilhelm Bollinger, Feierlicher Einzug Seiner Majestät des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. Berlin, 23.12.1809. Radierung auf Papier, 51,00 cm x 56,00 cm, Inv.-Nr.: GDR 65/5, Sammlung Stiftung Stadtmuseum
Die neu entstandene Stadtgrenze, die Akzisemauer, war vor allem eine Zollgrenze.
Von insgesamt 27.000 Taler um 1730 soll allein die Akzise auf Bier und Wein 10.000 Taler eingebracht haben. Ein Weinkontrolleur zu sein, damals Weinvisierer genannt, war sehr ehrenwert. Er prüfte die für den Hof angegebene Menge des gelieferten Weines und seine Qualität. Dem Weinhändler stellte er die für die Steuer notwendigen Bescheinigungen aus. In einem Berliner Adressbuch von 1704 werden allein schon 11 „Visitatores und Wein-Visirer“ mit Namen und Anschrift genannt. Eine Verordnung von 1717 schrieb vor, dass jeder 70 Liter fassende Eimer mit gefälschtem Wein 16 Taler Strafe kostete. Bei Rückfälligkeit des Weinhändlers konnte er sein Privileg verlieren.
Ein besonders tüchtiger Hof-Weinvisierer, ein Christian Müller aus einer alten Berliner Familie, wurde sogar vom Kupferstecher Albrecht Christian Kalle bildlich dargestellt und im Märkischen Museum der Vorkriegszeit ausgestellt.
Die Visitatoren waren angewiesen, „niemand ungebührlich zu begegnen“. Doch auch die Fremden sollten freundlich sein. Allerdings: Damals wie heute gibt „Manchen Reisenden … die bloße Erblickung eines Accisbedienten eine üble Laune“. Die Herren vom Zoll waren nicht sonderlich gut bezahlt und bestechlich. Das war selbst dem König Friedrich II. kein Geheimnis geblieben, wovon eine Anekdote berichtet.
Im April 1810 erhielt das Bernauer Tor an der Ecke Straße am Friedrichshain/Friedenstraße seinen königlichen Namen zurück. Nach den Vertragsverhandlungen mit Napoleon 1807 in Tilsit, die zum „Tilsiter Frieden“ führten, waren König Wilhelm III. und seine Frau Luise durch das Bernauer Tor wieder in Berlin eingezogen. Die Königsstraße wurde zur „Neuen Königsstraße“. General Alexander Blomberg, der 1813 am Königstor bei dem Versuch zu Tode kam, im Dienste Russlands gegen napoleonische Truppen zu kämpfen, erhielt 1913 ein Denkmal am Fuße der St. Bartholomäuskirche.
Von allen Toren in den Mauern um Berlin blieb uns einzig das 1865 erbaute Brandenburger Tor erhalten.



